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Die bekannte und unbekannte Seite von ADC Mitglied Philipp Mueller.

30.04.2020 08:48

Diese ungewöhnlichen Zeiten mit virtueller Kommunikation und "Social Distance" nutzen wir, um einander näher zu kommen – jetzt erst recht. Wir machen weiter mit unserer Serie: Wöchentlich stellt sich jeweils ein ADC Mitglied von einer überraschenden Seite vor, indem sie oder er etwas von sich preisgibt, das den meisten nicht bekannt sein dürfte. Diesmal: Philipp Mueller.

Die bekannte Seite:
Portrait-, Mode- und Werbefotograf, geboren in Zürich, ADC Mitglied seit: 2019
 
Die unbekannte Seite:
Ich war 15 und in der Blüte meiner Popper Phase an der Sekundarschule in Thalwil, als mir auf dem Schulhof ein Mitschüler ins Auge fiel, der so gar nicht ins Bild der properen Vorstadt Teenies passte. Schwarze Klamotten, Kampfstiefel, Lederjacke mit Nieten und Irokesenfrisur.*
 
Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und ihn angesprochen. Er hat mir dann von Punk und New Wave erzählt und von diesem Club in Zürich namens Big Apple. Der befand sich auf einem Kiesplatz neben dem Letzipark,  wo heute ein Bürogebäude steht. Ein von den Hells Angels betriebener Club, dessen Eingang aus einem Teil eines Londoner Busses bestand. 
 
Meine ersten Besuche waren schon respekteinflössend, zeitweilig auch nicht ganz ungefährlich. Punks, Rocker, Skinheads, Teds, Goth, New Wave und andere dunkle Gestalten. Konflikte zwischen den einzelnen Gruppierungen war an der Nachtordnung. Ich habe dort viele Gleichgesinnte und Freunde gefunden. Gelangweilte Vorstadt-Kids, die nach Individualität und Kreativität gesucht haben.
 
Ein Jahr nach unserer ersten Begegnung mit der „Dunklen Art“, schloss das Big Apple seine Pforten für Randgruppen wie uns, hiess fortan Tanzgarage und wurde die erste Heimat in Zürich für Detroit und Garage House. Styro hat da wohl seine ersten Sets hingelegt, jedenfalls hat mir das jemand erzählt.
 
Eigentlich war die Scene 1985 damit tot, aber ein Paar von uns haben angefangen, ihre eigenen Parties zu veranstalten. Zum Beispiel im heutigen Gonzo oder im Gemeinschaftszentrum Heuried. 
 
Wir hatten ein kleines Jugendlokal in der Vorstadt namens Pink Teddy ausgemacht. Wir fingen mit circa 40 Leuten an. Mit der Zeit pilgerten bis zu 600 Punks Goth und New Waver aus Frankreich, Deutschland, der Deutschen Schweiz und der Französischen Schweiz zu uns nach Urdorf.
 
Ich war schon immer ein Musik Nerd und habe sehr schnell angefangen, die Plattenteller zu übernehmen. Die Musik, die Mode und die Kultur aus dieser Zeit hat mich nie mehr losgelassen, und für immer meine Kreativität geprägt. Bauhaus, Depeche Mode, The Cure, Sex Pistols, Blondie, The Cult, Einstürzende Neubauten, Young Gods etc.
 
An diesen Orten habe ich die Fotografie für mich entdeckt. Ich habe Fotografie nie als einen reinen Beruf angesehen, vielmehr als Lebensstil (leider findet das die SVA auch).
 
Im letzten Dezember hatte ich zu dieser längst vergangenen Tagen eine kleine Ausstellung in Cooperation mit Yvonne Reichmuth von YVY Leather in Zürich. Die Fotos von den New Wavern und Punks waren Teil der Inspiration für ihre erste Männer Kollektion, für welche ich die Kampagne fotografiert habe. Somit hat sich für mich ein Kreis geschlossen.
 
Zum Abschluss wünsche ich euch mit dem Song von Depeche Mode „Enjoy the Silence“ (so still war es vor meinem Fenster in Paris noch nie), alles Gute und bleibt gesund. 
 
Carpe Diem
Philipp
 
 
* Das war Frank Scheier, der später ein bekanntes Punk und Hardcore Label gegründet hat.